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Sie sind auf meiner Website gelandet, und ich möchte Ihnen einige meiner Arbeiten  zeigen.

an der Schlei
an der Schlei

 

Reisen als künstlerische Erfahrung

Reisen in andere Länder und ferne Kontinente waren immer wieder fruchtbar für Sigrun Jakubaschkes Entwicklung als Künstlerin. Sie suchte dort nicht nur. ursprüngliche Landschaften und fremde Kulturen, sondern zugleich Weisen der Selbstbehauptung und Selbstfindung. Damit fand sie auch stets zu neuen Verfahren künstlerischer Praxis.

Von ihren Wanderungen in Neuseeland brachte sie die erste Idee zu ihrem „Urwald“ mit, einer Eckinstallation aus Pinselobjekten und Wandzeichnung; in China übte sie sich in der Kalligraphie und erweiterte ihre Erfahrung im Umgang mit Papier als Zeichengrund und als plastisch bildbarem Material, wie es dieser Katalog vielfaltig vor Augen führt. Auf ihrer Afrikareise erkundete sie die Hauptstadt Ghana, Accra, mit der mangelhaften Hilfe eines dort erworbenen Stadtplans, der sie durch weiße Flecken immer wieder ins Ortlose entließ. Um ihre Erlebnisse dingfest zu machen, gebrauchte sie nach der Rückkehr diesen Plan als Vorlage für ein groß angelegtes Werk, das, Zeichnung, Malerei und Objekt in einem, ebenso real ist wie fiktiv, ihr „Spaziergang durch Accra“. Er hält im Umklappen unterschiedliche Schnittstellen und Konstellationen bereit, ein formales Thema, das Sigrun Jakubaschkes auch in anderen Arbeiten vorträgt.

Gemäß dieser einmal entdeckten Methode diente ihr in der Folge ein Faltplan von Hamburg, ihrem Wohnsitz seit Beginn des Studiums, in noch freierer Umsetzung zum „Stadtplan Hamburg“ als Darstellung ihrer eigenen Welt. Und diese definiert sich durch Wege, Kreuzungen und besonders farbig markierte Zentren der Kenntnis und der persönlichen Bedeutung.

Gerade in einem Moment, da von offizieller Stelle an einer Digitalisierung der Stadt gearbeitet wird, um eine Datenbank nach allen möglichen Kriterien der Planung und Kontrolle anwendbar zu machen, in einer Zeit, in der mediale Bilder der Stadt allgegenwärtig sind, hält Sigrun Jakubaschke als Künstlerin solchen immateriellen Bildern in radikal einfacher Form die scheinbar veraltete Art der Vermessung und Aufzeichnung entgegen, nicht mittels des Plotters, sondern sinnenhaft mittels des handschriftlich geführten Pinsels.

Wie Geographie und Geschichte einander bedingen, spiegelt sie damit Biographie in der Kartographie. Das als Kunstwerk funktionslos gewordene „Bild“ des Stadtplans wird auf höherer Ebene wieder zur Anschauungsform der Orientierung.

Wer Sigrun Jakubaschkes bisherige Arbeit kennt, mag überrascht sein, in diesem neuen Ansatz jedoch einen konsequenten Schritt erkennen. Denn hatte die Künstlerin sich früher, sei es im eigenen Atelier, sei es in Ausstellungen, durch zeichnerischen Gestus in Räumen ihren eigenen Ort geschaffen, Orte der Selbstentäußerung und Vergewisserung, hat sie nun gleichsam einen Perspektivwandel vollzogen zur Beschreibung und Reflexion des eigenen Lebensortes. Doch sind ihre „Stadtpläne“ nicht minder authentisch, und das durch die Zeichnung als das ursprünglichste künstlerische Medium.

Zeichnen ist für Sigrun Jakubaschke immer mehr zu der Ausdrucksform geworden, in der sie Spontanität und Kontrolle zugleich zu fassen vermag. Wie Vorbereitungen ihrer „Pläne“ erscheinen so die gezeichneten Linienbilder, große Tuscheblätter, in denen Pinselzüge eingesetzt sind als nachvollziehbare Wegstrecken.Auf ihnen gewinnen Energien aber auch das Innehalten abstrakte Gestalt.

Aus unmittelbarem Umgang mit ihrem Material, so in den „Papierrollen“, hat Sigrun Jakubaschke gezeigt, dass Linie durchaus auch konkrete, ja plastische Form annehmen kann. In einer neueren Bodenarbeit, „Über den Gehackten Bergen‘“, schichtet sie Umrisszeichnung, die sie einem Messblatt abliest, zum Relief auf, Schablone wie Modell eines Stückes Landschaft aus der Mark Brandenburg – auch dies ebenso getreu wie fiktiv“.

Der darüber schwebende Drache, Geschöpf eigener Mythologie, eröffnet Dimensionen der Phantasie, über welche die Künstlerin in ihrem Werk so frei und spielerisch verfügt.

Hanna Hohl

 

Sigrun Jakubaschke in der Artbox, Osnabrück

Sigrun Jakubaschke stellt Objekte und Installationen aus Papier und Kartonagematerialien (Pappen) her und bringt (scheinbar) profane Dinge des Alltags in einen Kunstkontext. Sie schichtet Kartonpappen bzw. formt diese zu Abfall gewordenen, industriell gefertigten Produkte, um sie neu zu verwerten. Sie realisiert aus einfachen Formen wie etwa zellularen Körpern oder Grundformen wie Röhren, Pagoden und turmartige Bauformen fantastische Konstruktionen, die beispielsweise an Architektur, Flugobjekte oder auch an planetare Systeme erinnern. Dennoch manifestieren sich in Sigrun Jakubaschkes Arbeiten niemals konkret benennbare Dinge, die wir aus der Realität kennen. Ihre Objekte und Installationen bleiben in ihrer Funktion und in dem, was sie einmal sein oder bedeuten könnten, unbestimmt. Sowohl der Prozess des Sich-Veränderns in der Zeit, das Wachsen und die Schichtungen immer neuer körperhafter Formen und Organismen, als auch die Offenheit für die Fantasie und die Assoziationen des Betrachters, die diesen Prozess annehmen und weiterführen, spielen im Konzept der Hamburger Künstlerin die eigentliche, zentrale Rolle.

(aus Text von André Lindhorst : artbox VII)

 

 

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